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SCHLUSSLICHT

SCHLUSSLICHT

HÖHLENBÄREN-ALARM

Tunnels, Stollen, in tiefer Finsternis mündende Höhlensysteme – die Vision, bis zum Innersten der Erde vorzudringen, beflügelt nicht nur abenteuerfreudige Science-Fiction-Gemüter, auch die Geowissenschaft forscht emsig. Spätestens seit jenem 25. November 1864 – ein Freitag, übrigens, und wie die Damen und Herren im Literaturzirkel gerne behaupten, gönnte sich Jule Verne nur freitags einen Sherry – hegen wir die Hoffnung, das Geheimnis des Erdmittelpunkts zu lüften. Dank seismischer Wellen kennen wir – zumindest ungefähr – den schalenförmigen Aufbau unseres Planeten. Er gleicht einer Zwiebel: Unter der spröden Erdkruste liegt der weitgehend feste Erdmantel. Darunter folgt der äussere Erdkern, der flüssig ist. Das absolute Zentrum bildet ein fester Kern. Bis dahin sind es genau 6371 Kilometer. Bon voyage! Warum erzähle ich Ihnen das? Seit Mittwoch beherberge ich einen Gast aus den USA. Dan. Begeisterter Speläologe, Tunnelliebhaber und Dozent für Prähistorie. Als Dankeschön hat er mir eine 1927er-Edition von Kellermanns «Der Tunnel» mitgebracht. In der nebligen Früh schnallten wir heute die Rucksäcke: Endstation Wildkirchli. Exkurs: Wussten Sie, dass man paläontologische Fundgegenstände, Höhlenbärenzähne oder Knochen, günstig im Internet bestellen kann? Von Zürich durch den Ricken – ein fachkundig dokumentiertes Handyvideo wird mich an jeden der 8604 Meter feuchte Tunnelwand erinnern – tauchten wir in die archaische Bergwelt des Appenzellerlands ein. Die geheimnisvolle Atmosphäre der Wildkirchlihöhlen bewegt auf mystischsinnliche Art. Und als Dans Entzücken nicht seliger hätte sein können: ein Zahn! Hundert Fotos. Telefonate in die USA. – Ja, ich werde ihm die Wahrheit sagen. Heute Abend. Versprochen! Oder doch erst morgen?

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