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FÜHRERSTAND

FÜHRERSTAND

HEINI KOBLER KONTROLLIERT DEN STROM

 

«Wer mit Starkstrom zu tun hat muss die Fünffingerregel kennen. Auswendig», betont Heinrich Kobler, Leiter Fahrleitungsdienst bei den Appenzeller Bahnen. Bei jedem Einsatz gelte es, als Allererstes den Strom abzuschalten. Dann wird eine Anlage gegen Wieder-Einschalten gesichert, geprüft, geerdet, kurzgeschlossen und benachbarte, spannungsführende Teile abgedeckt. Diese Vorschriften exakt einzuhalten, sei das Wichtigste im Umgang mit Strom. Am liebsten sind Heinrich Kobler die technischen Aufgaben auf dem 79 Kilometer umfassenden Streckennetz. Auch bei Fahrleitungsstörungen gelte es, als Erstes den Strom zu unterbrechen. Dann wird mit der Leitstelle St. Gallen das weitere Vorgehen bestimmt. Für die Dauer des Unterbruchs werden Ersatzbusse angefordert. Die meisten Arbeiten erledigt der gelernte Netzelektriker am Bürotisch in Herisau. Er kümmert sich um den Einkauf der Energie, den Unterhalt der Anlagen und die Neu- und Umbauten. Für einwandfreie Anlagen müssen jährlich rund drei Kilometer Fahrleitungsdraht ausgewechselt und 1.5 Kilometer Fahrleitung komplett neu gebaut werden. Diese Arbeiten müssen geplant und von den Behörden bewilligt werden. Manchmal seien Vereinbarungen mit Nachbarn nötig, weil neue Masten direkt an deren Liegenschaften zu stehen kommen. Die Appenzeller Bahnen decken ihren Strombedarf aus Wasserkraft. 20 000 Volt Wechselstrom wird von elf Gleichrichteranlagen transformiert und gleichgerichtet in je nach Strecke 600, 1000 oder 1500 Volt. Gleichrichter werden periodisch ersetzt, was für den Chef und zwei Mitarbeiter viel Arbeit bedeutet. Die Beschäftigung mit Strom bringt Heinrich Kobler auf nachhaltige Ideen. Derzeit laufen Abklärungen, wie verlorene Bremsenergie zurück ins Netz gespiesen werden könnte. Die Kosten-Nutzen-Analyse zeige zwar, dass sich dies finanziell nicht lohne. Heinrich Kobler ist aber zuversichtlich, dass sein Antrag um Fördergelder für den Anlagebau zur Stromrückgewinnung vom Bundesamt für Verkehr gutgeheissen wird.

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