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EINGESTIEGEN

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MIT DER BAHN IN DIE BANK

 

Trotz Sonnenschein zieht sich Patrik Brülisauer eine Wolldecke über die Knie. «Soll ich noch heizen?», fragt der Lokführer, aber die Decke genügt dem Fahrgast in der Bahn von Walzenhausen nach Rheineck. Heinz Auelmann, der Lokführer, hat seinem Fahrgast die Wolldecke mitgebracht, weil dieser immer fror. Genau das schätzt Patrik Brülisauer bei den Appenzeller Bahnen: «Es ist alles sehr persönlich, das Personal geht auf Spezialwünsche ein.» Auch sein Arbeitskollege Robert Rüesch fährt gerne mit dem Zug. Beide sind mit den Lokführern per du und sie unterhalten sich vor und nach der Fahrt wie unter guten Kollegen. Die beiden Informatiker fahren jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit in die Raiffeisenbank in St. Gallen. «Das ist gemütlicher als mit dem Auto, wir stehen nie im Stau und wir sparen uns die teuren Parkgebühren in der Stadt», sagt Robert Rüesch.

Langweilig wird es den zwei Fahrgästen nie. Sie erzählen von Erlebnissen, die die Fahrt spannend machen. «Manchmal bleiben Rehe mitten auf den Gleisen stehen. Dann wartet der Lokführer, bis sie zur Seite gehen.» Eichhörnchen verstecken sich ab und zu unter der Zahnstange. Auch dann wartet der Lokführer, um das Tier nicht zu überfahren. Und im Winter kann es schon mal vorkommen, dass der Zugführer aussteigen muss, um eine Schneeverwehung wegzuschaufeln, bevor die Fahrt weitergehen kann.

Robert Rüesch hat noch einen persönlichen Bezug zur Rheineck-Walzenhausen-Bahn. Sein Vater war hier lange Lokführer. Ein weiterer Grund für den Pendler, das Auto in der Garage zu lassen. Seit Mai 2014 ist die Bahn innen und aussen neu ausgestattet. Die nostalgischen Holzsitze sehen aus wie vor 100 Jahren. Die Lehnen wurden an die Schräge des Hangs angepasst und sind deshalb bequem, finden die zwei Pendler.

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